Liebe Freunde des Vereins connect
Das Jahr 2025 hat für uns mit viel Schwung begonnen – wir waren richtig gefordert im Schreibatelier! Besonders im Bereich Bewerbungen war einiges los: Zahlreiche Menschen haben den Weg zu uns gefunden, um gemeinsam an Lebensläufen, Motivationsschreiben oder Online-Bewerbungen zu feilen. Manchmal fühlten wir uns dabei schon fast wie ein kleines „Bewerbungskompetenzzentrum“ .
Inmitten all der Arbeit durften wir aber auch viele berührende Erfolgserlebnisse miterleben – und genau diese möchten wir heute mit euch teilen.
Erfolgsgeschichten, die Mut machen
Da war zum Beispiel ein Mann, der 2020 bei der Schliessung einer grossen Fabrik seine Stelle verlor, nachdem er 15 Jahre dort gearbeitet hatte. Seither war er nur noch temporär angestellt, fünf Jahre lang. Die ständige Unsicherheit nagte an ihm, und die Aussteuerung vom RAV stand kurz bevor. Doch gemeinsam konnten wir an seinen Bewerbungen arbeiten – und heute hat er eine Festanstellung in einem Betrieb ganz in der Nähe gefunden! Er schrieb uns, dass er „mega“ happy sei und dass die Stelle sehr gut passe. Das macht uns unglaublich froh.
Wenn Digitalisierung überfordert
Und manchmal sind es auch die kleinen, ganz praktischen Dinge, bei denen wir helfen können. Ein älterer Herr kam völlig aufgelöst zu uns: Die Krankenkasse hatte ihm mitgeteilt, dass er seine Unterlagen künftig nur noch elektronisch erhält – doch er hat weder PC noch Drucker, und mit dem Handy ist das für ihn alles zu kompliziert. Gemeinsam fanden wir eine Lösung: Er kommt nun einmal im Monat zu uns, wir helfen ihm mit dem Ausdruck der Dokumente und unterstützen ihn beim Verstehen der digitalen Post. Für ihn bedeutet das Entlastung – für uns ist es eine kleine Geste mit grosser Wirkung.
Wo Unterstützung zu Beziehung wird
Was mit einem Lebenslauf beginnt, wird oft zu viel mehr: Beziehungen entstehen, Vertrauen wächst – manchmal auch Freundschaft. Viele unserer Klienten kommen regelmässig zu uns, manche jede Woche. Sie erzählen uns, dass ihnen regelrecht Lasten abfallen, wenn sie nach einem Gespräch oder einer Bewerbungsrunde das Schreibatelier verlassen. Manchmal hören wir von sehr schweren Lebensgeschichten – und auch wir müssen dann erst einmal verdauen, was wir da mitgeteilt bekommen.
Da sind Menschen, die aufgrund von Krieg und Vertreibung nie eine Schule besuchen konnten und jetzt bei null beginnen müssen. Andere berichten, dass sie sich selbst hier in der Schweiz nicht ganz sicher fühlen – aus Angst vor Verfolgung durch Landsleute, die spionieren. Solche Geschichten berühren uns zutiefst. Deshalb ist es uns ein grosses Anliegen, dass unser Atelier nicht nur ein Ort der Unterstützung ist, sondern ein echter Schutzraum: Ein Raum, in dem auch Trauriges Platz hat – aber ebenso das Lachen, der Humor, der Kaffee zwischendurch und vor allem die Hoffnung. Manchmal genügt es, einfach einen Moment gemeinsam durchzuatmen. Und wenn jemand sagt: „Ihr seid meine Familie“, dann wissen wir: Genau dafür sind wir da.
Unser Traum für die Zukunft?
Wir träumen von einem Ort, der noch persönlicher ist – einem Raum, den wir selber gestalten können. Mit mehr Privatsphäre, mehr Wärme, mehr Möglichkeiten zum Verweilen. Denn unser aktueller Raum im Mehrzweckraum der Aula wird langsam eng und bleibt praktisch, aber unpersönlich. Trotzdem machen wir das Beste daraus und sind neugierig, wohin uns weitere Wege führen werden.
Verstärkung im Schreibatelier
Seit Anfang Jahr dürfen wir Gottardo Gottardi als neue Unterstützung im Schreibatelier dabei haben. Dank seines Engagements werden wir schon bald einen zusätzlichen Nachmittag anbieten können.
Interkulturelle Begegnungen erfolgreich gestalten
Beim letzten Freiwilligen-Austausch-Höck haben wir uns intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie interkulturelle Begegnungen gelingen können. Dabei diente uns das sehr empfehlenswerte Buch „Überall zu Hause“ von Sarah Lanier als Grundlage. Es lieferte spannende Impulse für den Austausch über sechs hilfreiche Tipps im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen:
- Die eigene kulturelle Prägung kennen und reflektieren
- Die Welt nicht nur durch die eigene kulturelle Brille sehen
- Interesse an anderen Kulturen zeigen und Wissen vertiefen
- Eigene Wissenslücken anerkennen
- Offenheit gegenüber Fremdem entwickeln
- Mit Kritik achtsam und respektvoll umgehen
Eine bereichernde Erweiterung unseres Weiterbildungsangebots ergibt sich aus dem Kontakt mit C. Meile, Koordinatorin für Freiwilligenarbeit bei Asyl Berner Oberland (ABO). In einem Kennenlerngespräch haben wir mögliche Synergien besprochen. So können z. B. unsere freiwillig Engagierten ab sofort an Weiterbildungs-angeboten von ABO teilnehmen – eine tolle Chance für alle, die sich noch vertiefter mit interkulturellen Themen befassen möchten.
Danke!
Ich danke euch allen herzlich für eure Unterstützung, euer Vertrauen und eure Verbundenheit. Solche Geschichten zeigen uns, dass unsere Arbeit nicht nur sinnvoll, sondern auch wirksam ist. Wir freuen uns auf viele weitere Begegnungen, Geschichten und Schreibanlässe im laufenden Jahr.
Herzliche Grüsse
Regula Ringgenberg