Liebe Freunde des Vereins connect
Gerne möchten wir euch ein wenig berichten über Freuden und Herausforderungen unseres Vereins im zweiten Halbjahr.
Unser begabter Schreiberling Gottardo berichtet aus dem Schreibatelier:
Unsere Arbeit lebt nicht bloss von der Vielfältigkeit der uns zugetragenen Wünsche, sondern ebenso von einer farbigen Bandbreite der Hilfesuchenden, von denen sich uns zuweilen auch interessante Einblicke in deren kulturelle Hintergründe erschliessen. Da begrüsste uns etwa ein Mann mit typisch asiatischem Aussehen an der Türschwelle, der seine ganze Jugend als Mönch in einem tibetischen Kloster verbrachte und als Flüchtling in die Schweiz kam. Hier profilierte er sich unerwartet schnell in der Gastrobranche und diente in namhaften Betrieben mit besten Referenzen. Nur die Farbe orange für seinen Lebenslauf will er partout nicht sehen, ist aber ansonsten auffallend anspruchslos. Weil der Tibeter unser Angebot der Stellensuche dankend ablehnt, erfahren wir noch, dass er bereits einen neuen Job in renommiertem Hause auf sicher hat. Sein Chef hätte bloss den Wunsch geäussert, dass er seine Vita auf den neuesten Stand bringe …
Nicht immer sind unsere Bemühungen auf dem Stellenmarkt auf Anhieb von Erfolg gekrönt, aber dank viel Geduld und noch mehr Ausdauer versprach auch das vergangene Semester eine Feelgood-Garantie: Einem bestens integrierten Eritreer, bislang als Reinigungsmitarbeiter viersprachig unterwegs, konnten wir eine Ausbildung zum Gleisbauer vermitteln. Für den Start zu diesem Berufsabschluss gehörte etwa auch das Ausfüllen eines mehrseitigen Formulars für die medizinische Tauglichkeitsuntersuchung im Rahmen sicherheitsrelevanter Tätigkeiten. Ein Beispiel mehr helvetischer Bürokratie, die uns immer und immer wieder in ausreichendem Masse überfreundlich zulächelt …
Nachdem sich die Stellensuche für eine junge Syrerin, die sich ein Jahr lang notgedrungen mit verschiedenen Servicestellen durchschlug, etwas haarig angelassen hatte, fand auch sie eine neue Herausforderung auf ihrem erlernten Beruf als Coiffeuse. Deren Hilfe suchenden Eltern machten in anderer Angelegenheit unserem Atelier ebenfalls ihre Aufwartung. Mitunter sind es also auch Familienmitglieder, die den Weg zu uns finden, so dass wir das «Freude herrscht» gleich mehrfach teilen können.
Und da war noch dieser leicht verzweifelte ältere Herr, der mit seinen IT-Problemen vom Sozialdienst zu uns geschickt wurde. Offenbar war der radebrechende Kunde, der seinen Laptop nicht mehr mit dem Netzwerk verbinden konnte, vorgängig bereits im Swisscom-Shop und bei einem Fachmann vorstellig geworden – ohne Erfolg notabene! Insofern muss ihm unsere Tatjana und namentlich deren magisches «Sesam öffne dich!» wie ein Wunder vorgekommen sein: Dank Engels-Empathie ortete sie schnell einen falschen Zugangscode und ein winziges, aber entscheidendes Detail im Netzwerkschlüssel. Manchmal liegt unser Erfolgsgeheimnis eben nicht primär im fachlichen Knowhow, sondern ungleich mehr im aufmerksamen und geduldigen Zuhören bzw. in der richtigen und nachhaltigen Kommunikation – aller sprachlichen Barrieren zum Trotz …
Am 1. September lud der Vorstand unter kulinarischer Führung von Chr. Gafner zum jährlichen Dankesanlass. Nebst Speis und Trank sorgte die Gastgeberin in ihrem Garten für einen effektiv vorgeheizten Pizzaofen und offerierte mit kundigen Anleitungen speziellen Teig sowie «gluschtigen» Zutaten zum Selberbelegen. Beim Backen ging es für einmal nicht darum, ins Schwarze zu treffen, sondern mit aufmerksamem Auge für die richtige Rotation im Ofen zu sorgen, damit die eigene «Margherita» beim Herausnehmen ihren Namen noch verdiente. So wurde manch fluffige, knusprige und saftige Köstlichkeit nach und nach zu einladend gedecktem Tische getragen. Selbst wenn dies nicht im Stile eines «Primo Pizzaiolo» gelang, sah der aufkommende Appetit und der mitgebrachte Hunger über das «Non Perfetto» gerne hinweg – bei einem mundigen Schluck Wein (oder zwei) sowieso … In illustrer Runde sorgte die Präsidentin im Anschluss noch für einen verdaulichen Nachtisch der kreativeren Art: Einfallsreich in kleine Geschichten verpackt, trug sie namenlose Eigenheiten und Charaktere ihrer Vereinsmitglieder vor und lud so zu einem unterhaltsamen Denkspiel mit lustigem Wiedererkennungseffekt. Kaffee und ein unwiderstehliches Dessert rundeten diesen gelungenen Anlass mehr als würdig ab.
In würdigem Rahmen präsentierte sich ebenso die traditionelle Einladung der Gemeinde Heimberg für ihre Bürgerinnen und Bürger, die sich mit Freiwilligenarbeit in sozialen Projekten, mit kulturellen Aktivitäten oder in Vereinen wie jenem des Schreibateliers für das Gemeinwohl im Dorf einsetzen. Der Anlass vom 14. November in der Aula der Unteren Au wurde musikalisch untermalt und – besonders erwähnenswert – durch Mitglieder des Gemeinderates wie auch durch Mitarbeitende der Verwaltung tatkräftig unterstützt, indem sie für den persönlichen Service von Tisch zu Tisch eigenhändig besorgt waren. Gemeindepräsidentin Andrea Erni Hänni und Gemeindeschreiber Oliver Jaggi gingen mit vorbildlichem Beispiel voran, indem sie das Spiezer Weisswein-Süppchen, das Kräuter Schweins-Carré an leichter Senfsauce sowie das «Bir-Amisu-Dessert» mit Birnen von den Hobbyköchen der «Chacheli-Chuchi» in wertschätzender Manier zu Tische trugen. In diesem Sinne: Danke Andrea, danke der Gemeinde Heimberg und danke allen Beteiligten, die für diesen Anlass der Wertschätzung und Gemeinschaft anerkennend im Stillen gewirkt haben!
Regula berichtet aus dem Verein:
Vereinsintern gibt es nicht sehr viel Neues zu berichten. Das Gesuch um Steuerbefreiung konnte Ende Mai eingereicht werden. Erst Ende November haben wir Rückmeldung erhalten, dass noch eine kleine Statutenänderung nötig ist. Diese haben wir nachgereicht und bereits Bescheid erhalten, dass unser Gesuch im Januar bewilligt werden wird. Freude herrscht!
Leider musste der Traum von neuen und vor allem persönlicher gestalteten Räumlichkeiten vorerst auf die lange Bank geschoben werden. Im Austausch mit der Leiterin der Sozialdienste sowie der Leiterin der Frühförderung der Gemeinde Heimberg entstand die Idee, dass wir eventuell die neuen Räume der Frühförderung mitbenutzen könnten. Da die Leiterin der Frühförderung jedoch weiterzieht, müssen wir abwarten, bis die Stelle ab Februar 2026 neu besetzt ist, um diese Pläne weiterzuverfolgen. Im Schreibteam entwickeln wir jedoch laufend auch andere Ideen.
Zusammen mit zwei Vorstandsmitgliedern haben wir im Spätsommer intensiv über die Vision von connect und deren Umsetzung nachgedacht. Kurz zusammengefasst bleibt unser zentrales Anliegen, Menschen miteinander zu vernetzen und sie darin zu stärken, nicht nur Hilfe zu erhalten, sondern ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken für andere einzusetzen. Daneben beschäftigen uns organisatorische Fragen wie die bereits erwähnte Raumthematik, die Gewinnung und Begleitung weiterer Freiwilliger sowie die personelle Weiterentwicklung des Vorstands.
Ich bedanke mich von Herzen für euer Interesse an connect, für eure wertvolle Unterstützung und für den unermüdlichen Einsatz der Freiwilligen im vergangenen Jahr – connect lebt von und mit euch allen!
Für 2026 wünsche ich euch frohe Festtage und einen beschwingten Start in ein neues Jahr voller, Lichtblicke, Begegnungen und neuer (connect-)Verbindungen.
HerzlicheGrüsse
Regula Ringgenberg